Gewinner der Karl Max von Bauernfeind-Medaille 2016
Logik, Moral und Welten
fatum 2 | , S. 8
Inhalt

Was ist das: Logik, Moral und Welten?

Zur Moral

Was ist Moral? Mit Moral assoziiere ich spontan viele Begriffe und sogar Personen: Gewissen, gute Intuition, Klugheit, Tugend, Mutter Theresa, M.K. Gandhi… Um der Frage systematischer nachzugehen, möchte ich acht exemplarische Aussagen einer Umfrage vorstellen. Die Befragten geben durch ihre Antworten, in ihrer Gesamtheit, eine gute „alltagsgebräuchliche“ Bedeutung von Moral wieder und spiegeln somit eine kontroverse philosophische Debatte.

Physiker einer großen deutschen Universität, 36 Jahre: Für mich ist Moral lehrbare Urteilskraft und hat viel mit meiner Familie und der Erziehung meiner Kinder zu tun. Ich erkläre ihnen, was „richtig“ und was „falsch“ ist. Wir benutzen hierzu nicht den Zeigefinger, sondern haben ein Ampelsystem für die Familie etabliert. Rot heißt – das darfst du nicht, grün heißt – das sollst du tun und gelb heißt – Achtung! Das System bezieht sich natürlich grundsätzlich auf die Werte meiner Frau und mir.

Erzieher aus einem Münchner Vorort, 24 Jahre: Ich erfülle eine Vorbildfunktion in unserem Hort, deswegen sind Projekte wie z. B. unsere gemeindliche Mülltrennung für mich moralisch wertvoll. Für unsere nächste Generation ist es essentiell, die aktuell geltenden gesellschaftlichen codes of conduct frühzeitig kennen und verstehen zu lernen. Die damit verbundenen Selbstverpflichtungen als Gemeindemitglied müssen schließlich erlernt werden. Die Kinder lernen, sich an diese Regeln zu halten und handeln dann zukünftig nach ihrem besten Wissen und Gewissen.

Hinduistischer Priester einer kleinen indischen Gemeinde, Informatiker, 28 Jahre: Ich bin Brahmane und halte dreimal täglich Pujas für meine Gemeindemitglieder. Durch diese Rituale werden grundlegende Wertehaltungen im Alltag aufrechterhalten, die auf langjährigen Traditionen beruhen und unterschiedliche Glaubensgemeinschaften vereinen.

Chemikerin und Professorin einer amerikanischen Universität, 55 Jahre: Meine Führungsposition verlangt eine hohe Arbeitsmoral. Ich bin immer pünktlich und unterstütze alle Mitarbeitenden der Arbeitsgruppe in ihren unterschiedlichen Karrierestufen tatkräftig. Zu einer aktiven Nachwuchsförderung sind schließlich alle Professorinnen und Professoren in der Wissenschaft moralisch verpflichtet. Als Wissenschaftlerin hege ich große Sympathien für die Stellungnahmen der Anthropologen. Diese definieren Moral als normatives Regelwerk, welches sich direkt auf eine Gruppe oder Gesellschaft bezieht.

Bundesministerin und Juristin, 46 Jahre: Als deutsche Politikerin bin ich eine moralische Verpflichtung gegenüber allen Bürgerinnen und Bürgern in meinem Land eingegangen. Ich möchte mich nicht als Moralapostel darstellen, aber ich finde schon, dass eine gute Landespolitik nicht nur eng mit unseren sozialen Normen, sondern auch mit den gesellschaftsübergreifenden moralischen Normen verbunden ist.

Realschülerin, 16 Jahre: Der wichtigste moralische Wert ist für mich Gerechtigkeit. Durch solche grundsätzlichen Prinzipien kann unsere Welt überhaupt nur funktionieren. Damit so etwas aber alle kapieren, muss immer wieder darüber geredet werden. Ich glaube die Wissenschaft dazu heißt Ethik. Allerdings hilft so eine Wissenschaft nicht im täglichen Leben, da werden solche Werte und Begründungen immer wieder auf die Probe gestellt und müssen sich erst mal als „gut“ beweisen.

UNO Mitarbeiter und Agrarwirt, 72 Jahre: Ich habe mich als Weltbürger mein ganzes Leben für ein besseres Miteinander der Menschen eingesetzt. Moral ist für mich intuitives Wissen und heißt für mich die richtigen Prioritäten zu setzen, sowohl täglich, wöchentlich, jährlich als auch im gesamten Leben. Dabei hat mir immer eine tief verwurzelte, erdübergreifende Moral, die alle vernünftigen Menschen verbindet, Halt gegeben.

Venuswesen aus dem Bereich Astro-Resources, 307 Jahre: Moral ist ein überall im Universum gültiges, öffentliches, für alle leidensfähigen Wesen geltendes Wertesystem. Es ist intuitiv erkennbar und lässt somit alle Wesen zu jeder Zeit best-möglichst handeln. Ich hätte zum Thema auch eine Gegenfrage für dich. Nachdem ich deine Vernunftbegabung und Leidensfähigkeit noch nicht eindeutig bestimmen konnte, würde ich gerne wissen, ob du, wie ich, Leid und Schmerz bei moralischen Verstößen empfinden kannst?


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