Gewinner der Karl Max von Bauernfeind-Medaille 2016
Logik, Moral und Welten
fatum 2 | , S. 3
Inhalt

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,
die zweite Ausgabe von fatum, dem studentischen Magazin für Philosophie der Wissenschaft, Technik und Gesellschaft an der Technischen Universität München, widmet sich Logik, Moral und Welten. Die Themen verbindet nicht nur eine lange gemeinsame Geschichte innerhalb der Philosophie (die Stoiker etwa unterteilten Philosophie in Logik, Ethik und Physik), sondern sie sind auch von besonderer Relevanz für moderne Technik und Naturwissenschaften.

Was es philosophisch mit den Titel-Begriffen auf sich hat, bringen drei ExpertInnen in unserer Rubrik Was ist das … ? auf den Punkt: Den Begriff Logik erklärt Hannes Leitgeb, Professor für Logik an der LMU. (Zusammen mit Professor Stefan Hartmann hält er dieses Semester den freien Online-Kurs „An Introduction to Mathematical Philosophy“ auf www.coursera.org/course/mathphil.) Dr. Eva Sandmann, Biologin und Philosophin an der TUM, vermittelt einen bündigen und differenzierten Einstieg in die Moral. Die Ideengeschichte des Begriffs Welten bringt Dr. Tobias Jung, Physiker, Lehrer und Philosoph an der TUM, zum Leben.

Die neue Rubrik Praefrontal möchte ins Bewusstsein rücken, wie vielfältig Methoden, Begriffe und Konzepte in verschiedenen Kontexten und Disziplinen verwendet werden. Sylvester Tremmel stellt die Bedeutung von Welten in der Informatik dar – und argumentiert, dass Computer sich ihre eigenen Welten schaffen. Max Pointner setzt Ludwig Wittgensteins Auffassung von Ethik in Verhältnis zu dessen Biographie. Georgios Karageorgoudis, Dozent für Philosophie an der LMU, erklärt schließlich den Zusammenhang von Welten, Wissen und Handeln.

Unsere Internationalen Perspektiven führen auch in dieser Ausgabe in Originalsprache mit deutscher Übersetzung in verschiedene Regionen des Globus: Von Griechenland über Vietnam bis nach Brasilien. Dort sind seit den 1950er-Jahren Logiken entwickelt worden, die sich widersprechende Aussagen zulassen. In sogenannten parakonsistenten Theorien können eine Aussage A und ihr Gegenteil nicht-A gleichzeitig gelten. Klingt paradox? Unsere Autorin Patrícia Pereira da Rocha Albrecht hat für fatum Newton da Costa, Begründer der parakonsistenten Logik, in seinem Zuhause in Florianópolis an der Atlantikküste besucht. Im Interview erklärt der große brasilianische Logiker und Philosoph persönlich, wie parakonsistente Logik funktioniert und erzählt von seiner lebenslangen Suche nach dem Wesen wissenschaftlicher Erkenntnis.

In der Rubrik Vom Wesen der Dinge legt Professor Klaus Mainzer mithilfe des Prinzips lokaler Aktivität dar, wie das Neue in die Welt kommt. Zur Frage, welche Rolle die Ethik im Alltag spielt, bieten Max Roßmann und Oliver Schrader zwei unterschiedliche Perspektiven in einer erstmalig in fatum veröffentlichten vis-à-vis Gegenüberstellung an.

Einen Blick in die Werkstatt der studentischen Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt an der TUM in Garching gibt Matthias Kreileder. Paul Zasche veranschaulicht in Die Maschine die Funktionsweise aktueller Fusionsforschungsreaktoren und überträgt das „Prinzip Verantwortung“ des Philosophen Hans Jonas auf die Energieforschung.

Noch viele weitere Essays, literarische Stücke und Artikel warten in dieser Ausgabe darauf, entdeckt zu werden. Über Rückmeldungen, konstruktive Kritik und Gedanken zum Magazin freut sich unsere ehrenamtliche Redaktion rund um Studierende des Masters in Wissenschafts- und Technikphilosophie an der TU München jederzeit.


Viel Spaß beim Lesen!
wünscht Samuel Pedziwiatr
im Namen der fatum-Redaktion


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Kommentar 2

Ingrid Zasche

...habe als normalsterblicher Nicht-Nerd zufällig Heft 2 von "Fatum" in die Finger bekommen und bin wirklich beeindruckt. Hiermit möchte ich dem Redaktionskollegium ein riesengroßes Kompliment für das professionell gemachte, hochinteressante Magazin aussprechen. Und obwohl ich eigentlich immer ein eher gestörtes Verhältnis zur Philosophie hatte und und sie für etwas Blutleeres, abgehoben Weltfremdes und vor allem ganz und gar nicht Alltagstaugliches gehalten habe, hat es das Heft über das ansprechende Äußerliche hinaus auch noch geschafft, mich "Philosophie-Atheistin" ein bißchen mehr für dieses Fach einzunehmen. Meine bisherige Abneigung lag allerdings vielleicht auch daran, dass ich vieles einfach nicht verstanden habe, weil in der Gesamtschau doch recht hohe geistes- und naturwissenschaftliche Anforderungen gestellt werden. Wer schätzt schon etwas, das einem schmerzlich beweist, dass man nicht intelligent genug dafür ist oder jedenfalls zumindest nicht hart genug gearbeitet hat? Aber vielleicht hats mir ja bis jetzt nur niemand richtig erklärt.

Eure lebendigen und klugen (zum größten Teil sogar mir verständlichen) Artikel haben mir nun eine neue Tür wenigstens einen Spalt breit geöffnet und mir dort hindurch eine etwas andere Sicht vermittelt. Mit Hilfe von ein wenig abgeklärter Altersmilde mir selbst gegenüber gehe vielleicht sogar ich irgendwann durch diese Türe auch hindurch... Schließlich werden hier viele mögliche Wege aufgezeigt, da könnte schon ein für mich passender dabei sein.

Danke für ein in jeder Hinsicht besonderes Lesevergnügen.

Ingrid Zasche (67) Rentnerin, freie Journalistin

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